Parzival –
ein Überblick




Neues von Parzival

Das Parzival-Epos ist bis heute die wohl am wenigsten verstandene und am meisten mißverstandene Dichtung des Mittelalters.
Wenn wir an Parzival denken, fällt uns sofort Richard Wagner ein, jedoch hat seine gewaltige Komposition mit Parzival - außer im Namen des Stückes - absolut nichts zu tun.

Die heutige Allgemeinbildung beschränkt sich hauptsächlich auf drei Merkmale des Parzival: Auf die Suche nach dem heiligen Gral, auf die einfältige Erziehung Parzivals durch seine Mutter und sein heldenhaftes Rittertum an Artus Tafelrunde. Es ist wahrlich Zeit, mit diesem Klischee aufzuräumen.

Unbestritten handelt das gesamte Epos nur zur Hälfte vom Protagonisten Parzival. Es sind noch einige andere wichtige Hauptdarsteller von heldenhafter Bedeutung. Einen ganz wesentlichen Teil des Abenteuers bestreiten die Helden Gahmuret und Gawan. Gahmuret ist Parzivals Vater, ein unsteter Ritter, der sein Vermögen dem Umstand seiner streitbaren Taten und zwei liebevollen Frauen verdankt, die er beide verläßt, um seinem ritterlichen Vergnügen nachzujagen. Schließlich stirbt er in Palästina.



Gawan, dem Sohn des König Lot, den Wolfram nicht selten als >seinen Herrn Gawan< bezeichnet, ist ebenfalls ein streitbarer Recke. Offensichtlich ist Wolfram Zeuge seiner Abenteuer, zumindest stellt er die Geschichte so dar. Es gibt Hinweise im Text, die auf Aussagen Wolframs zurückgehen, welche belegen, daß er den überlieferten Text des Parzivals übernommen hat und diesen mit der Geschichte Gawans zu einem Gesamt-Epos verknüpfte. Der Parzival-Teil geht einerseits auf den französischen Minnesänger Kyot zurück, der das Lied in einem >heidnischen< Text fand. Kyots französischer Text wird von Wolfram ins Deutsche übersetzt. Außerdem wird im Verlauf des Abenteuers sehr schön beschrieben, wie Parzival selbst den Ursprung seiner eigenen schicksalhaften Biografie kennenlernt.

Hierbei kommt Parzival, der sein Pferd absichtslos dahintraben läßt, an die >Fontan la salvatsche<, einen kleinen Bach, der unterhalb eines hohen Berges aus der Felswand springt. Er begegnet dem Einsiedler Trevrizent. Durch diesen erfährt Parzival die geheime Geschichte des heiligen Grals.

Lauschen wir dem Bericht Trevrizents in den Worten Wolframs und in der Bearbeitung von Michael Dirk: